Frauenfußball in der DDR
In der DDR wurde seit Anfang der 1970er Jahre Frauenfußball gespielt. Es gab eine Meisterschaft und einen Pokalwettbewerb.
Inhaltsverzeichnis
Geschichte
Die erste Frauenfußballmannschaft wurde 1968 in Dresden gegründet. Der bulgarische Student Wladimir Zwetko gründete bei der BSG Empor Dresden-Mitte (heute Dresdner SC) eine Frauenfußballmannschaft. Ab 1979 wurde erstmals eine „Meisterschaft“ in Form einer Bestenermittlung ausgespielt. 1987 kam mit dem „Pokal des Demokratischen Frauenbundes“ ein Pokalwettbewerb hinzu. Es gab auch eine Nationalmannschaft, die jedoch nur ein einziges Mal spielte und gegen die ČSFR verlor.
Meisterschaft
Da der Frauenfußball im damaligen Zeitraum keine olympische Sportart war, wurde die Meisterschaft ab 1979 durch eine Bestenermittlung entschieden. Hierfür qualifizierten sich im ersten Jahr vier, später fünf Mannschaften. Ab 1985 qualifizierten sich die Meister der 15 DDR-Bezirke. Zu einer Leistungskonzentration kam es 1987, als eine zweigleisige Liga eingeführt wurde. Die Staffelsieger ermittelten im Finale den DDR-Meister. In der Saison 1990/91 wurde schließlich die eingleisige Oberliga Nordost eingerichtet. Meister wurde der Uni SV Jena, die sich zusammen mit dem FC Wismut Aue für die Bundesliga qualifizierten. Die restlichen Mannschaften bildeten zusammen mit einigen Westberliner Vereinen die neue Regionalliga Nordost, die fortan zweithöchste Spielklasse war.
Rekordmeister war die BSG Turbine Potsdam, die heute unter dem Namen 1. FFC Turbine Potsdam zu den stärksten Frauenfußballvereinen Deutschlands gehört.
Die Bestenermittlung
Jahr | Meister | Zweiter | Dritter | Austragungsort |
---|---|---|---|---|
1979 | Motor Mitte Karl-Marx-Stadt | BSG Aufbau Dresden-Ost | BSG Post Rostock | Templin |
1980 | BSG Wismut Karl-Marx-Stadt | Aufbau Dresden-Ost | BSG Chemie Wolfen | Blankenburg |
1981 | BSG Turbine Potsdam | BSG Chemie Wolfen | Chemie Leipzig | Potsdam |
1982 | BSG Turbine Potsdam | Chemie PCK Schwedt | Chemie Leipzig | Lauchhammer |
1983 | BSG Turbine Potsdam | BSG Wismut Karl-Marx-Stadt | Chemie PCK Schwedt | Schwedt |
1984 | BSG Motor Halle | BSG Turbine Potsdam | Rotation Schlema | Colditz und Grimma |
Die Endspiele
Saison | Sieger | Finalist | Ergebnis | Spielorte |
---|---|---|---|---|
1985 | BSG Turbine Potsdam | BSG Wismut Karl-Marx-Stadt | 2:0 | Markkleeberg |
1986 | BSG Turbine Potsdam | BSG Motor Halle | 4:1 | Dresden |
1987 | BSG Rotation Schlema | BSG Wismut Karl-Marx-Stadt | 4:1 | Kamenz |
1988 | BSG Rotation Schlema | BSG Turbine Potsdam | 3:0 1:3 |
Schlema Potsdam |
1989 | BSG Turbine Potsdam | BSG Rotation Schlema | 3:1 2:3 |
Potsdam Schlema |
1990 | BSG Post Rostock | BSG Wismut Chemnitz | 6:1 4:2 |
Chemnitz Rostock |
Oberliga Nordost Saison 1990/91
Legende |
---|
Qualifikation zur Bundesliga |
Start in Regionalliga Nordost |
Pl | Verein | Sp | S | U | N | Tore | Diff. | Punkte |
---|---|---|---|---|---|---|---|---|
1 | Uni SV Jena | 18 | 49:5 | +44 | 31:5 | |||
2 | FC Wismut Aue | 18 | 67:15 | +52 | 29:7 | |||
3 | BSG Turbine Potsdam | 18 | 59:24 | +35 | 28:8 | |||
4 | Post SV Rostock (M/P) | 18 | 34:13 | +31 | 26:10 | |||
5 | Wismut Chemnitz | 18 | 24:31 | -7 | 15:21 | |||
6 | BSG Motor Halle | 18 | 15:38 | -23 | 14:22 | |||
7 | SV Johannstadt 90 | 18 | 20:34 | -14 | 13:23 | |||
8 | 1. FC Union Berlin | 18 | 14:43 | -29 | 12:24 | |||
9 | Fortschritt Erfurt | 18 | 13:53 | -42 | 6:30 | |||
10 | Handwerk Magdeburg | 18 | 14:63 | -49 | 6:30 |
Pokal
Seit 1987 wurde der Pokal des demokratischen Frauenbundes ausgespielt. Pokalstifter war der Demokratische Frauenbund Deutschlands – bei den Herren war es der FDGB. Über diesen Wettbewerb ist nicht viel bekannt. In den ersten Jahren sind nur die Sieger überliefert. Der Modus und die Ergebnisse der einzelnen Runden konnten nicht eruiert werden.
Die Endspiele
Saison | Sieger | Finalist | Ergebnis | Spielort |
---|---|---|---|---|
1987 | Rotation Schlema | nicht bekannt | –:– | nicht bekannt |
1988 | Wismut Karl-Marx-Stadt | nicht bekannt | –:– | nicht bekannt |
1989 | Rotation Schlema | HSG Uni Jena | 1:0 | Berlin |
1990 | BSG Post Rostock | Wismut Chemnitz | 0:0 n.V. 5:3 i.E. |
Senftenberg |
1991 | Wismut Aue | SSV Turbine Potsdam | 2:0 | Hettstedt |
Nationalmannschaft
Die DDR-Fußball-Nationalmannschaft der Frauen bestritt nur ein einziges Spiel. Am 9. Mai 1990 trat man in Potsdam gegen die Auswahl der ČSFR an und verlor mit 0:3.
Frauenfußball in den neuen Bundesländern heute
Im Gegensatz zum Männerfußball konnte sich im Frauenfußball mit dem 1. FFC Turbine Potsdam eine internationale Spitzenmannschaft etablieren. Nach jahrelanger Aufbauarbeit konnte Turbine nach der Wende zwei Meisterschaften, drei Pokalsiege einfahren und darüber hinaus noch den UEFA Women’s Cup gewinnen. Durch intensive Nachwuchsarbeit stellt der Verein einen Großteil der Junioren-Nationalmannschaften. Viele Spielerinnen schafften den Sprung in die erste Mannschaft.
Neben Potsdam schafften der FC Wismut Aue, der Uni SV Jena und der Polizei SV Rostock den Sprung ins Oberhaus. Allerdings waren es für die drei Vereine nur einjährige Gastspiele. Zur Zeit spielen neben Aue, Jena und Turbine Potsdam II noch der FFV Neubrandenburg und der 1. FC Lokomotive Leipzig in der 2. Bundesliga.
Sie wollen hier in mehr als 20.000 Artikeln Ihre Werbung sehen? Schreiben Sie uns einfach an.